2206

Bonn Buschdorf

Wohnquartier in Bonn Buschdorf. Städtebauliche Studie, als Direktauftrag im Rahmen einer Mehrfachbeauftragung, Bonn, 2022

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Bonn Buschdorf

Wohnquartier in Bonn Buschdorf. Städtebauliche Studie, als Direktauftrag im Rahmen einer Mehrfachbeauftragung, Bonn, 2022

Städtebau, Architektur: bueroKleinekort
Auftraggeber: TenBrinke Projektentwicklung 


Strategie
Der städtebauliche Entwurf leitet aus den süd-westlich angrenzenden Siedlungsstrukturen wiedererkennbare Maßstäbe ab, innerhalb derer die neuen Baufelder als eigene Adressen erfahrbar werden. Ziel dabei ist zwar ein erkennbares neues und eigenständiges, aber kein von der gebauten Umgebung losgelöstes Quartier zu schaffen indem ein urbanes Gewebe aus dem Maßstab des Bestand heraus entwickelt wird.

Zwei Teilquartiere werden in Form von „Blöcken“ wie urbane Inseln in die Landschaft eingebettet. Mit einer klaren Raumkante nach Nord-Westen und den inneren Quartiersräumen in Form von Wegen, Gassen und kleinen Platzräumen sowie kleinteiligen Freiraumstrukturen in den „Innenbereichen“ der Höfe. So ergibt sich eine Gliederung des neuen Quartiers in Teilräume und einzelne Nachbarschaften. Diese sind als drei Bausteine von der Otto-Hahn-Straße zu lesen – und verzahnen sich als kleinteilige Bebauung vielfältig mit dem süd-östlichen Freiraum, der sog. „Brache“.

Freiraumkonzept
Oberstes Ziel der Entwicklung ist die Schaffung kleinteiliger Räume als vielfältige, sozialwirksame Freiraum mit hohem stadtklimatischem Nutzen. Gleichzeitig soll das neue Quartier aus mehreren „Nachbarschaften“ entstehen, das sich über diversifizierte Freiräume identifiziert und lesbare Übergänge von privaten und öffentlichen Bereichen schafft.

Ausgehend von dem qualitätsvollen Grünbestand verzahnen gezielte Neupflanzungen den südlichen Freiraum (Brache) mit den neuen grünen Höfen. Fassaden- und Dachflächen werden nach energetischer Sinnhaftigkeit begrünt und die Gebäude damit als Teil des Freiraums etabliert. Im Nahbereich der Bebauung können urbane Gärten zur Gemeinschaftsnutzung angeboten werden, die aus Zysternen mit Dachwasser bewässert werden. Die neuen Höfe mit ihren privaten Gartenzonen werden an den wertvollen Gehölzbestand zum Park geführt. Ergänzend werden als neue Bäume nur solche Arten verwendet, die dem Standort angepasst sind und bezüglich Klimawandel-Resilienz eine gute Prognose aufweisen. Rasenflächen werden nur in begrenztem Umfang und zielgerichtet nutzungsbezogen eingesetzt, Magerwiesen bilden, wo immer möglich, das Rückgrat eines die Artenvielfalt fördernden Lebensraumes.

Wasser
Der Verbrauch von Trinkwasser wird minimiert, indem Zisternen für Grauwasser und Gartenbewässerung verwendet werden können. Die Verdunstung über sickerfähige Belagsoberflächen und Pflanzen leistet einen positiven Beitrag zum Mikroklima. Niederschläge werden über Retentionsdächer und Sickermulden verzögert abgeführt.

Verkehrskonzept
Eine Erschließungsstraße von der Otto-Hahn-Straße abbiegend, nimmt als beruhigter Mischerschließungsraum alle Verkehre auf. Hierüber werden die Baufelder erschlossen und die Räume werden als Mischfläche zur Quartierserschließung mit den Wegen in den Höfen verzahnt. Die Garagenzufahrten liegen je direkt zu Beginn dieses Straßenraumes. Car-Sharing Stationen und Radleihsysteme finden sich blockweise an den Schnittstellen der Systeme in den Parkgaragen und sind als intermodale Schnittstelle mit dem ÖPNV im zentralen Bereich an der Otto-Hahn-Straße verknüpft. Alle Wegebeläge in den Höfen sind wasserdurchlässig, Wegebreiten orientieren sich an der minimalen Notwendigkeit, um Versiegelung gering zu halten.

Bebauung
Die Baufelder ermöglichen eine große Nutzungsvarianz – die freie Parzellierbarkeit erlaubt eine größtmögliche typologische Mischung und organisatorische Diversität wodurch wiederum resiliente Nachbarschaften entstehen. Was heute als kleine Dienstleistungseinheit gedacht wird, kann übermorgen als Wohnen weiter Bestand haben. Zwei spezifische Charakterisrtika, die Stadtsilhouette und die Landschaftskante strukturieren das Gebiet in sich (ein kräftiger Auftakt „zur Stadt“ und eine kleinteiligere Struktur „zur Landschaft“ - und zum weiterbauen) und verbinden es mit dem Bestand.

Baustruktur und Fassade
Nachhaltige, weil nutzungsneutrale, Grundstrukturen der Gebäude in Massivbau oder Holzmassivbau werden durch leichte vornehmlich holzbasierte Sekundärstrukturen ergänzt. Wo unbedingt notwendig wird Recyclingbeton eingesetzt.

Das gemischtgenutze Gebäude an der Köln Straße wird in Ziegelbauweise ausgeführt. Die Baukörper „zur Landschaft“ in Holzhybridbau. Dämmstoffe und Fassadematerialien sind dort reversibel gefügt. Fassaden- und Dachflächen werden, wo immer sinnvoll, begrünt und zur Energiegewinnung genutzt. Die Verbesserung des Mikroklimas im gebäudenahen Bereich sowie die intensive Mehrfachnutzung von Bauteilen und Flächen stehen dabei genauso im Zentrum wie die Reversibilität und Fähigkeit zur Adaption im Kontext sich verändernder Nutzungsansprüche und Klimabedingungen.